Was ist Transaktionsanalyse?

Die Transaktionsanalyse (TA) ist eine von dem amerikanischen Arzt Dr. Eric Berne begründete Schulrichtung der Humanistischen Psychologie. Sie hat tiefenpsychologische Wurzeln und zeichnet sich durch eine prägnante Sprache, graphische Darstellbarkeit von Strukturen und Prozessen sowie durch gute Verständlichkeit auch komplexer Sachverhalte aus. Mit Hilfe der TA können innerpsychische und zwischenmenschliche Konflikte schnell erkannt, verstanden und einer Lösung zugeführt werden. Hierbei bezieht die TA Denken, Fühlen und Verhalten ein und ermöglicht so dauerhafte Veränderungen.

TA verbindet eine tiefenpsychologisch orientierte Betrachtung des Individuums und die Analyse intersubjektiver Prozesse und Strukturen zu einem handlungsorientierten Ansatz. Sie ist so in der Lage, sowohl Entwicklung und Verhalten des Einzelnen auch vor dem Hintergrund seiner Lebensgeschichte zu verstehen, als auch Kommunikationsvorgänge und Gruppenprozesse zu erfassen. Auf diese Weise können je nach Kontext, Indikation  und Auftrag nicht nur individuelle Entwicklungsprozesse begleitet u. ggf. angestoßen werden, sondern kann auch auf zwischenmenschlicher und systemischer Ebene interveniert werden.

Auf der Basis einer im Vorfeld und gegebenenfalls auch im Prozess immer wieder angepassten Arbeitsvereinbarung, des für die TA typischen Vertrages, stehen dann individuelle Introspektion und die Analyse von Kommunikationsstrukturen nebeneinander, um erhöhte Wirksamkeit, erhöhte Arbeitszufriedenheit, erhöhtes Wohlbefinden oder Heilung zu finden.

Die Transaktionsanalyse basiert auf einem eigenen, aus der Psychoanalyse heraus entwickelten Persönlichkeitsmodell, welches sich dadurch auszeichnet, dass es „alltagstauglich“ ist. Die Ich-Zustände Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich sind sowohl von außen als auch vom Betreffenden selbst beobachtbare Persönlichkeitsanteile, die wir konstruktiv einsetzen oder die hinderlich sein können.

Die TA im engeren Sinne analysiert Kommunikationsvorgänge und vermittelt Möglichkeiten, Kommunikation angenehmer und effektiver zu gestalten. Dies gilt für das private Gespräch ebenso wie für den beruflichen Kontakt, etwa das Gespräch zwischen Lehrerin und Schüler, Berater und Klientin oder zwischen Vorgesetzter und Mitarbeiter.

Gelingt es uns nicht, auf positivem Weg Zuwendung zu erhalten, so greifen wir mitunter auf Muster zurück, die die TA „psychologische Spiele“ nennt und die sich dadurch auszeichnen, dass sie mit unguten Gefühlen enden. Solche Spiele sind etwa: „Wenn Du nicht wärst“, oder „ja, aber...“. Bei letzterem Spiel ist ein Beteiligter „hilflos“ und ein „Retter“ macht ihm/ihr Vorschläge zur Verbesserung der Situation, die aber immer wieder mit dem Einwand „ja, aber...“ vom Tisch gewischt werden. Am Ende ist dann der Retter frustriert und das ehemalige „Opfer“ triumphiert über dessen/deren Unfähigkeit.
Da solche Kommunikationsmuster auch in Betrieben und anderen Organisationen in erheblichem Umfang Kräfte binden und verschleißen, ist die Spielanalyse ein wichtiger Teil der Transaktionsanalyse.

Schließlich beschäftigt sich die TA in der Skriptanalyse mit der individuellen Entwicklung des Menschen und der Analyse von unbewussten Lebensplänen, die entscheidenden Einfluss auf die aktuelle Lebensgestaltung und das Funktionieren im Alltag haben. Da diese Lebenspläne, das Skript, in früher Kindheit entwickelt wurden, ist ein wesentliches Anliegen der Skriptanalyse auch „wie man Lebenspläne verändert“ und dauerhafte Veränderungen ermöglicht.

Bewährt hat sich TA überall dort, wo es um Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung geht, im psycho-sozialen Bereich, in der Psychotherapie, Beratung und Supervision,  in Schule und Erwachsenenbildung, sowie auch in Unternehmen und der Organisationsentwicklung.

Grundlage jeglicher TA-Anwendung ist das humanistische Menschenbild der TA: Menschen sind grundsätzlich in Ordnung und haben Anspruch darauf, respektiert zu werden, auch wenn sie sich im Einzelfall einmal fehlerhaft verhalten.

Soweit erforderlich erlaubt die TA, vergangene Erfahrungen zu bearbeiten, einschränkende Wahrnehmungs- und Interpretationsmuster aufzulösen und frei aus den vorhandenen und gegebenenfalls weiterentwickelten Ressourcen auszuwählen, mit dem Ziel für den Einzelnen und sein Umfeld stimmigen, autonomen Handelns.

Richard R. Reith und Dr. Anne Kohlhaas-Reith